Erblast – Dein Anteil

Formgeschmolzenes Uranglas, geschliffen und poliert, mit Blecheinsatz, auf Holzplatte mit LED-Beleuchtung ca. 50cm x 50cm x 30cm; 14,5 kg, 2022

Im Zusammenhang mit der Endlagersuche und dem Müll, den keiner in seiner Nähe will, stellte sich mir die Frage, um wie viel endzulagernden Abfall es sich handelt und wie groß mein Anteil wäre, wenn man die Gesamtmenge des deutschen Atommülls auf die deutsche Bevölkerung aufteilt. Dazu gehören natürlich auch Neugeborene, die noch kaum Strom verbraucht haben, aber bei einer solchen Erblast wie dem Atommüll werden sich noch Generationen nach uns damit befassen müssen, die selber nie von der Atomenergie profitiert haben.

Das letzte Atomkraftwerk soll 2022 vom Netz genommen werden. Damit beginnt die Wiederaufarbeitung der Abfälle, welche umständlicherweise zum Teil für die Wiederaufarbeitung ins Ausland verbracht werden müssen, um dann zurück nach Deutschland transportiert, einen Platz, im noch nicht gefundenem, Endlager zu finden.

Die Prognose des Bundesumweltministeriums im Verzeichnis Radioaktiver Abfälle von 2018 ermittelte folgende Abfälle bis zum Jahr 2080.

Prognostizierte Mengen an schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung:

  • 291 Behälter mit 7979 Kokillen (Größe Kokillen: d:43cm h: 150cm) Volumen ca: 0,27 m³ x 7979 = 1658 m³
  • Prognostizierte Mengen an sonstigen radioaktiven Abfällen: 300.000 m³ (Endlager Konrad)
  • Schachtanlage Asse II (Grundwasser dringt ein, Abfälle müssen umgelagert werden): 175.000 – 220.000 m³
  • Radioaktive Reststoffe aus der Urananreicherung: 100.000 m³
  • Endlager Morsleben (ERAM) – Endlagerung in der Anlage, keine weitere Aufnahme von Abfällen: 36.754 m³

Da die Angaben auf Prognosen beruhen, liegt die Gesamtmenge des in Deutschland bis 2080 entstandenen schwach- und mittelradioaktiven Abfalls bei ca. 600.000 m³ bis 660.000 m³.

Wärmeentwickelnde hochradioaktive Abfälle

Als einziges Land unterscheidet die Bundesrepublik Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre zwischen wärme-entwickelnden Abfällen und Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung. „Diese Einteilung resultiert aus dem Planfeststellungsverfahren Schacht Konrad. Die Begrenzung der thermischen Beeinflussung des Wirtsgesteins auf 3 Kelvin am Stoß (Seitenwand des Grubenbaues) war eine der ersten Bedingungen, die für das Endlager Konrad entwickelt wurde.“

Für die Wärme-entwickelnden Abfälle prognostiziert das Bundesamt für Strahlenschutz:

21.000 m³ abgebrannte Brennelemente (s.o.): Legt man das Konzept der direkt endzulagernden abgebrannten Brennelemente in POLLUX-Behältern zugrunde, lässt sich mit einem Umrechnungsfaktor von 1,96 ein Endlagervolumen von zirka 21.000 m³ prognostizieren.

1.436 m³ hoch- und mittelradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung (s.o.)

1.970 m³ Hochtemperaturbrennelemente, sofern sie nicht in die USA exportiert werden (s.o.)

160 m³ abgebrannte Brennelemente aus Forschungsreaktoren

180 m³ aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

3.400 m³ Abfälle, die durch die Konditionierung der Brennelemente in Pollux-Behälter entstehen würden.

Gesamt: 28.100 m³

Quelle: Verzeichnis radioaktiver Abfälle (Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose); Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit; April 2022; https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Nukleare_Sicherheit/verzeichnis_radioaktiver_abfaelle_bf.pdf

Letztendlich komme ich bei meinen Recherchen auf 600.000 m³ schwach- und mittelradioaktive Abfälle und 28.100 m³ hochradioaktive Abfälle. An dieser Stelle möchte ich hervorheben, dass ich mich lediglich an die positiven Prognosen der Bundesregierung gehalten haben. Nicht Regierungsquellen schätzen die Menge der Abfälle aus Wiederaufarbeitung wesentlich höher ein.

Basierend auf diesen Daten habe ich das Volumen durch 80 Mio. Einwohner Deutschlands geteilt und habe folgende Volumina in Liter pro Einwohner erhalten:

600.000 m³ = 600.000.000 dm³/l

600.000.000 dm³ / 80.000.000 Einwohner in Deutschland = 7,5 dm³ /l

Fässchen r = 9,5cm; h = 26,8cm; U = 59,7cm

28.100 m³ = 28.100.000 dm³/l

28.100.000 dm³ / 80.000.000 Einwohner in Deutschland = 0,351 dm³ = 351ml ca. 1 Getränkedose

Jetzt stelle dir einmal vor, die Lösung für die Endlagersuche wäre die Strahlung fair auf alle Einwohner auf zu teilen. Jeder bekäme ein Fässchen und eine Getränkedose, bei einer 4 Köpfigen Familie kommt da schon ein bisschen was zusammen. Eine beigelegte Broschüre informiert dich darüber, dass man beides nicht in Wohnräumen und keinesfalls unter dem Bett aufbewahren soll, besser im Keller. Wer Geld hat, kauft sich einen kleinen Bunker, um die Fässer und Dosen der Familie aufzubewahren. Es würden Unternehmen aus dem Boden sprießen, die deinen radioaktiven Anteil gegen entsprechende Bezahlung verwahren. Das Übergeben deines Atommülls an Dritte ist behördlich natürlich streng geregelt und kontrolliert. Ohnehin muss die Verwahrung natürlich überwacht werden. Stichproben-Kontrollen in Haushalten finden regelmäßig zur Überprüfung statt. Auf eine illegale Entsorgung stehen natürlich hohe Strafen.

Diese Lösung ist natürlich undenkbar, dennoch sollte sich jeder seines Verbrauchs und dem daraus resultierenden Müll bewusst sein. Und es ist ja nicht nur der radioaktive Müll, der ein Problem darstellt.